Die Gattung Thymus

 

 

Die Herkunft und Verbreitung von Thymian

 

Als Mitglied der Familie der Lippenblüter Lamiaceae mit 220 Gattungen, zu denen unter anderen auch Salbei und Lavendel gehören, gehört der Thymian zu den 8 wichtigsten Gattungen. Je nach Betrachtungsweise liegt die Anzahl der Arten zwischen 215 und 350 Spezies. Das Verbreitungsgebiet umfaßt die alte Welt, wobei die Iberische Halbinsel als Zentrum der Gattung bezeichnet werden kann, da hier 35 Arten aus 7 Sektionen beheimatet sind, von denen 5 Sektionen und 24 Arten endemisch sind. 15 Arten kommen im Nordwesten Afrikas vor, 18 in Griechenland, 36 in der Türkei und 17 im Iran. Das Verbreitungsgebiet zieht sich weiter in Richtung Osten über Westasien und das Himalaja, bis nach China und Japan hinein. In China kommen 11 Arten vor. Im Norden reicht die Ausdehnung bis nach Sibirien und Nordeuropa. Die Küsten Grönlands kann man als das nördlichste Vorkommensgebiet der Art mit Thymus praecox bezeichnen. In Deutschland sind ca. 11 Arten heimisch.

 

Außerhalb dieses natürlichen Verbreitungsgebietes existieren noch eingeführte Populationen in Kanada ( Thymus serpyllum und Thymus pulegioides ), Chile ( Thymus vulgaris ) und Neu Seeland ( Thymus pulegioides und Thymus vulgaris ).

 

Am häufigsten trifft man den Thymian in Mediterranen Regionen an, wobei einige Arten eine spezielle Vegetation bilden, die nicht höher als 50 cm ist und ' Tomillares ' genannt wird. Neben den Thymianen wachsen u.a. auch Salbei und Lavendel in dieser Gemeinschaft, die sehr gut an trockene und heiße Sommer angepasst ist. Generell kann man zwei verschiedene Gruppen von Pflanzen unterscheiden. In der ersten Gruppe finden wir kleine buschige Pflanzen deren Höhe unter 50 cm liegt, von Ausnahmen wie dem südspanischen Thymus baeticus und Thymus hyemalis einmal abgesehen, die bis zu einem Meter hoch werden können. In der zweiten Gruppe haben wir die kriechenden Lebensformen die Ausläufer bilden. Diese Form des Wachstums stellt die Regel dar, jedoch gibt es auch hier wieder Ausnahmen wie Thymus caespititius der lange Äste bildet, die nicht wieder anwurzeln.

 

Die meisten Arten blühen im Frühjahr, andere wie Thymus serpyllum oder Thymus praecox im Sommer. Es gibt auch einige herbstblühende Arten und mit Thymus hyemalis sogar eine winterblühende Art.

 

 

Die Ansprüche an Boden und Licht

 

Thymiane sind sonnenliebende Pflanzen, die in der Regel im Gebirge oder auf steinigem Grund vorkommen. Es ist daher für die Kultur im Garten sehr wichtig, dass die Erden sehr gut drainiert sind. Als Beispiel für einen Extremstandort kann man Thymus carnosus nennen, der in Portugal auf Sanddünen in Küstennähe lebt.

 

 

 

Steiniger Berghang in sonnenoffener Lage, Gran Canaria, 1750 m Höhe

 


Thymiane sind außerdem sehr resistente Pflanzen, die unter extremen klimatischen Verhältnissen in Bezug auf Temperatur und Verfügbarkeit von Wasser überleben können. Die Behaarung der Blätter und die seitlich nach unten eingerollten Blattränder erlauben es diesen Arten sehr trockene Verhältnisse zu überleben. Aus diesen Extremen heraus lässt sich auch die hohe Produktion an ätherischen Ölen erklären, die den Verlust von Wasser an die umgebende Atmosphäre reduzieren soll.

 

Als Verallgemeinerung könnte man zusammenfassen, dass die buschigen holzigen und aufrechten Pflanzen in trockenem mediterranem Klima verbreitet sind und die flachblättrigen, niedrigwachsenden mit einer Verholzung an der Basis eher in feuchterem, kälterem Klima vorkommen. Auch ist die Produktion an ätherischem Öl in der zweiten Gruppe nicht ganz so hoch.

 

 

 

Steiniger Felshang im offenen Pinienwald mit Thymian, Salbei,

Micromeria und Erysimum als Nachbarn

 

 

Bei den kriechenden Arten gibt es wiederum Spezialisten wie Thymus glacialis in Sibirien oder Thymus praecox in Grönland die extrem niedrige Temperaturen überleben können. Die Blütenfarben bewegen sich in einer Bandbreite von weiß und creme über pink bis violett in den variabelsten Abstufungen.

 

Am allerbesten wachsen bei mir die Thymiane die in fast reinem Betonrecycling oder Sandboden stehen. Der Größenzuwachs beträgt zwar nur 10 bis 15 % pro Jahr in unserem Nordwohlder Klima, aber die Pflanzen wachsen sehr kompakt und entwickeln ein überaus starkes Aroma.

 

Je mehr Gartenerde mit humosen Anteilen verwendet wird, desto schneller oder mastiger wachsen die Pflanzen. Das kann sogar so weit gehen, dass sich Blatt und Wuchs der Pflanze bei zu starker Düngung deutlich verändern. Aus länglichen spitzen Blättern können fast runde Formen entstehen. Aus einem aufrechtem Wuchs kann ein überhängender auf dem Boden aufliegender Thymian werden. Eine sehr gute Möglichkeit für die Vorbereitung des Thymianbeetes ist das Einarbeiten von Sand, Kies oder auch feinem Splitt um eine Verbesserung des Wasserabzuges und eine Abmagerung des Bodens zu erreichen. Je magerer der Boden, desto langsamer und gesünder wächst die Pflanze. Auch entwickelt sich wie schon erwähnt das Aroma kräftiger. Wenn Sie einen höheren Verbrauch in der Küche haben, sollten Sie das Beet einfach größer planen und mehr Pflanzen pro Art oder Sorte kaufen.

 

Der Standort sollte vollsonnig sein, d.h. mindestens 6 Sonnenstunden pro Tag sollte der Thymian bekommen, lieber jedoch mehr. Steht Ihnen eine Terasse, ein Balkon oder ein kleiner Garten zur Verfügung ist dies auch eine gute Möglichkeit Thymiane zu kultivieren, denn die Haltung in kleinen Schalen und Töpfen ist auch sehr gut möglich. Die Pflanzerde im Topf sollte sehr durchlässig sein. Bewährt hat sich bei mir eine Mischung aus handelsüblicher Blumenerde mit einem 50% tigem Anteil an Sand und Kies.

 


Das Laub der Thymiane

 

Die Anpassung der Thymiane an die unterschiedlichen Standorte im natürlichen Lebensraum hat dazu beigetragen, daß sich vielfältige Laubformen und Farben im Laufe der Zeit gebildet haben. Auch züchterische Arbeit in den verschiedenen Ländern hat die Palette mit den Jahren zusätzlich erweitert.

 

Im Folgenden sehen Sie eine Auswahl an Fotos von ganz unterschiedlichen Belaubungen an Thymianen :

 

 

                           


       Kleine runde Blätter von Thymus                          Gelbgrünes Laub von Thymus                          Kleine ledrige Blätter von Thymus

             serpyllum ' Coccineus '                                     pulegioides ' Golden Dwarf '                                         herba barona

 

                       


           Nadeliges graues Laub von                              Große lange Nadeln von Thymus                      Kleinstes rundes Laub bei Thymus

                 Thymus zygioides                                                  kosteleckyanus                                             polytrichus ssp. britannicus

 

                        

 

     Eingerollte graugrüne Nadeln bei                            Behaarte rötliche Blätter bei                                  Buntes Laub bei Thymus

                Thymus vulgaris                                             Thymus pseudolanuginosus                                     Barwinnock Snowdrift

 


Die Blütefarben

 

In der Farbpalette finden wir bei den Blüten vom Thymian nur die Farben weiß, rosa und purpur mit einer sehr großen Bandbreite an Zwischentönen. Die Farbe apricot sehe ich als eine große Ausnahme an, da sie bisher nur ganz selten in der Kultur aufgetreten ist.  Je nach Licht und Aufnahme erscheinen oftmals die dunklen Purpurtöne blauer als an der lebenden Pflanze.

 

 

   weiß                    apricot

 

   rosa violett          purpur 

 

 

Die richtige Bewässerung

 

Zur Bewässerung kann ich folgendes sagen: Die im Beet aufgepflanzten Thymiane gieße ich nur in den heißesten Sommern bei sehr lang anhaltender Trockenheit. Meistens läuft dann der Sprenger über die Nacht um den Boden richtig zu durchfeuchten. Das hat sich als viel effektiver erwiesen, als immer nur in kleinen Mengen Feuchtigkeit zuzuführen. Die Wasserführung in den Töpfen gestaltet sich da bei weitem schwieriger und zeitaufwendiger. Bereits im Januar und Februar beginne ich die Töpfe zu gießen, da wir in den letzten Jahren immer hohe Temperaturen bei geringen Niederschlägen in diesen Monaten hatten. Eine Kombination die bei Töpfen und Schalen aufgrund der schnelleren Erwärmung durch die Sonne leicht zum Vertrocknen der Pflanzen führen kann. In ganz heißen Perioden während des Sommers gieße ich die Töpfe und Schalen täglich morgens und abends um ein Vertrocknen der Pflanzen zu verhindern.

 

 

Die gesunde Ernährung

 

Da sich im Topf  die Erden auch schneller aufbrauchen und keine notwendige Nahrung mehr liefern, bin ich in den letzten Jahren dazu übergegangen, die Pflanzen mehr zu düngen. Dies jedoch nur ganz schwach konzentriert, dafür aber umso regelmäßiger. Ich verwende hierzu Jauchen aus Brennesseln, Hornspänen, Ackerschachtelhalm und Meeresalgen, sowie geringe Gaben von den Eingangs erwähnten biologischen Düngern. Die Anwendungen erfolgen immer nach Regen oder nach einer ausgiebigen Bewässerung der Pflanzen. Denn bei zu trockenem Boden ist es bei mir auch schon zur Bildung von Flecken und anfänglicher Blattwelke gekommen. Dies konnte ich jedoch immer durch reichliche Wassergaben nach der Düngung wieder beheben.

 

Die Thymiane in meinen Beeten bekommen hingegen nur einmal jährlich eine Düngung im Frühjahr nach dem Rückschnitt oder um sie wieder in Form zu bringen. Diese Düngung besteht aus Hornspänen, Algenkalk, peletiertem Rinderdung oder aus Phytopellets.

 

 

Die Ernte

 

Für die Ernte oder den Rückschnitt kann ich den Zeitraum Ende April bis Ende September empfehlen. Später im Jahr sollte nicht mehr geschnitten werden um der Pflanze ausreichend Zeit zu geben die Wunden vor dem Winter zu schließen. Geringe Mengen für die Küche schneide ich ganzjährig frisch, achte aber immer darauf, kleine Äste zu ernten und nicht die Spitzen zu rasieren.

 


Die Vermehrung in der Gärtnerei

 

Alle meine Pflanzen werden vegetativ vermehrt, um die Merkmale der einzelnen Sorte oder Art zu erhalten und eindeutig benennen zu können. Bei den Thymianen und anderen Stauden geschieht dies durch Stecklinge wie Sie auf den folgenden Fotos sehen können.

 

 

                                               

Vermehrungstunnel mit Thymianstecklingen                                                            Stecklingsplatten mit Raritäten

 

 

Die Stecklinge werden dann in einem speziellen Topfsubstrat weiterkultiviert, bis wir sie dann zum Verkauf anbieten können. In der Regel verläßt keine Jungpflanze meine Gärtnerei die nicht mindestens einen Winter überstanden hat, bei einigen stark verholzenden oder auch sehr langsam wachsenden Arten oder Sorten können es auch zwei bis drei Jahre sein.

 

 

Vermehrung durch Aussaat

 

 

 


Laufen über die Jahre in den Mutterpflanzenbeeten interessante Thymiansämlinge auf, werden diese markiert und erst einmal weitere 5 Jahre beobachtet. Dann machen wir die ersten Stecklingssätze und schauen uns genau an wie sich die Sämlinge in der Vermehrung verhalten und ob sie gegebenenfalls gar nicht für die Topfkultur geeignet sind, bevor wir sie benennen und weiter kultivieren.

 

Ein Sämling im zweiten Jahr

 

 

Neuer Sämling in Winterfärbung

 


Auch ein interessanter Zufallssämling muß noch lange nicht die Nordwohlder Winter überleben und nichts wäre schlimmer, als eine nicht winterharte Sorte in den Umlauf zu bringen. Ein weiteres wichtiges Merkmal dieses Sämlings sollte die Unterscheidbarkeit im Habitus, der Blattfärbung oder zum Beispiel im Duft zu allen anderen Thymianen in meiner Sammlung sein.

 

 

Verschiedene Aussaaten aus eigener Ernte

 

 

Die Namensgebung meiner Thymiane

 

Bei von mir gezüchteten Thymian-Sorten, die hybriden Ursprungs sind, also zwei verschiedene Arten als Eltern haben können, habe ich eine eigene persönliche Zuordnung vorgenommen. Sie entspricht nicht den derzeitigen und allgemeingültigen Richtlinien der Nomenklatur, die die Sorten nach alphabetischer Reihenfolge aber willkürlich zu den Gattungsnamen stellen. Da ich es für hilfreicher halte, habe ich, soweit möglich, die Sorten immer der Elternart zugeordnet, der sie im Habitus und Wuchsverhalten am nächsten stehen. Sie als Verwender meiner Pflanzenliste können so auf den ersten Blick und ohne eine weitere Beschreibung sehen, in welche Kategorie die jeweilige Sorte gehört.

 

Sie sehen damit auf Anhieb, ob es sich um einen Vulgaris Typ mit einer Höhe von 50 cm und einem Umfang im Alter von vielleicht 1,5 m² oder ob es sich nicht doch nur um einen kleinen Teppich von 1 cm Höhe mit einem Umfang von 30 cm nach 3 Jahren handelt.

 

 

Weiterführende Literatur zum Thema Thymian

 

Die Freiland- Schmuckstauden von Jelitto, Schacht, Simon
Erschienen bei Ulmer ISBN .3 - 8001 - 3265 - 6 Sprache Deutsch
Das Standardwerk im Bereich der Stauden liefert eine umfangreiche Aufstellung vieler Thymianarten und
Sorten mit Hinweisen zur Pflege.


Untersuchung zu Einflußfaktoren auf ätherische Öle in Thymian von Slavica Dudas
Erschienen bei Logos Verlag Berlin ISBN .3 - 8325 - 0952 - 6  Sprache Deutsch
Eine hochinteressante Dissertationsschrift über die Untersuchung von Einflußfaktoren auf die Qualität
und den Ertrag von Thymian im Feldversuch. Nur für Sammler empfehlenswert.


Growing And Using Thyme von Michelle Gillett
Erschienen in den USA Sprache Englisch
Ein bezauberndes kleines Heft mit einer tollen Sammlung an Rezepten, die sehr lecker sind und sich
gut zum Nachkochen oder Backen eignen. Eignet sich auch gut als kleines Geschenk für Kräuter-
freundinnen und -freunde.
Zu Bestellen auch bei mir :     Preis 8,50 €


Thyme The genus Thyme von Elisabeth Stahl - Biskup und Francisco Saez
Erschienen bei Taylor & Francis ISBN .0 - 415 - 28488 - 0  Sprache Englisch
Ein sehr interessantes Industrieprofil über die Verwendung von Thymian. Das Buch steigt sehr tief in
chemische Zusammensetzungen der einzelnen Öle und die In Vitro Kultur ein. Es beinhaltet auch eine
ausführliche Artenliste und jede Menge Informationen zur Genetik des Thymians.
Überhaupt nur für Sammler empfehlenswert.

 

 

 

© Copyright Texte und Bilder Michael Camphausen 2010